20.07.2026 | So lautete das Motto, unter dem junge Männer zu treuen Gefolgsleuten der Nationalsozialistischen Ideologie ausgebildet werden sollten. Unterrichtsfächer waren in erster Linie „Rassenkunde“ und körperliche Ertüchtigung durch Sport. Bei schönstem Sommerwetter haben 26 Kolleginnen und Kollegen auf der Bildungsfahrt der AGA Herne die Ordensburg Vogelsang besucht. Nach einer durch Staus und Baustellen verzögerten Anfahrt konnten die Führungen durch die Ausstellung „Bestimmung Herrenmensch“ und über das Gelände der Ordensburg beginnen.
In der Ausstellung wurde die Absicht der nationalsozialistischen Führung deutlich, einen Menschentyp erschaffen zu wollen, der den Befehlen des Führers Adolf Hitler bedingungslos folgt. In Anlehnung an mittelalterliche Orden wurde die Ausbildungsstätte „Ordensburg“ genannt, um die herausragende Stellung der jungen Männer in der Nationalsozialistischen Gesellschaft zu betonen. Die auf der Ordensburg Ausgebildeten sollten die Elite der NSDAP darstellen und waren in ihrer späteren Tätigkeit vorgesehen als die Drahtzieher und Hintermänner, die die Verbrechen des Regimes ideologisch vorbereiteten und auch teilweise selbst ausführten. Ein Indiz für die Art der auf der Ordensburg durchgeführten Ausbildung war, dass allein das Alter, das Geschlecht, die Empfehlung der Parteigremien sowie die sportlichen Fähigkeiten und natürlich eine nachweisbare arische Herkunft notwendig waren, um dort aufgenommen zu werden – Zeugnisse, schulische Leistungen oder berufliche Qualifikationen spielten keine Rolle.
Die Ausstellung zeigt Biografien der Schüler, die „Ordensjunker“ genannt wurden, von ihrer Ausbildung über ihre Tätigkeiten, meist als Statthalter in den besetzten Ostgebieten, in denen Sie an der systematischen Auslöschung von Juden und anderen „minderwertigen“ Menschen beteiligt waren, bis zum Ende des 2. Weltkrieges.
Eine erschreckende Erkenntnis aus der Führung durch die Ausstellung ist, das viele der Täter nicht oder nur geringfügig bestraft wurden und in der Nachkriegsgesellschaft wieder leitende Tätigkeiten ausgeübt haben.
In der Führung über das Gelände der Ordensburg lag der Schwerpunkt auf dem Bau von 1932 bis 1941 und der architektonischen Konzeption. Landschaftlich schön gelegen über dem Urftsee beeindruckt die Ordensburg schon allein durch ihre Größe und Masse – ein Stilmittel, das in der nationalen Architektur häufig eingesetzt wurde, um die Überlegenheit der rassistischen Ideologie der NSDAP zu belegen und auch der Bevölkerung zu zeigen, zu welchen Leistungen die Partei fähig ist.
Auf dem Gelände finden sich dann noch verschiedenen nationalsozialistische Symbole, wie der Fackelträger, der Parteiadler und Reiterreliefs. Die Funktionalität der Gebäude weist darauf hin, dass die Ausbildung der Junker möglichst effektiv gestaltet werden sollte, die Tagesabläufe der Schüler waren bis ins Detail vorgegeben, Eigeninitiative war nicht erwünscht. Ebenso auch die Bauzeit: in den ersten zwei Jahren wurde der erste Bauabschnitt der Burg komplett fertiggestellt, eine heute nicht vorstellbare Baugeschwindigkeit.
Im zweiten Weltkrieg war die Burg dann Teil des „Westwalls“ und wurde schwer beschädigt. Nach dem Krieg übernahmen zunächst die britischen Besatzungstruppen das Gelände, gaben es aber später an die belgische Armee ab. Ein Teil der Gebäude wurde abgerissen, andere einer anderen militärischen Nutzung zugeführt.
Das militärische Sperrgebiet wurde 2005 aufgehoben und an Deutschland übergeben. Heute gehört das Gelände zum Nationalpark Eifel, die Gebäude der Ordensburg wurden zum „Internationalen Platz“, einem Erinnerungsort, der für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander steht.
(vb)